Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.
Marian Stefanowski Portraits in Gummidruck!

Marian Stefanowski ist Künstler, er stellt sich in die lange Reihen­folge derer, die das Bildermachen zum eigenen Anliegen künst­lerischen Ausdruckes gemacht haben. Wie der Werdegang zeigt, ist Marian Stefanowski Fotograf. Er ist also Bildermacher, Chronist und Abbilder der Realität, die er immer - schon beruf­lich - auch anderen zeigen wollte, seine Sicht jedenfalls davon. Seine Auffassung erfordert, dass er es nicht beim üblichen Foto lässt, schön schwarz-weiß und viel graue Töne, nein, seine Auf­fassung fordert Gestaltung. Weg mit dem überflüssigen Valeurs, den zu vielen Grautönen, die das Bild uninteressant machen. Das war für viele fotografische Arbeiten lange Zeit seine Devise, er kam dabei notwendigerweise in die Nähe von Graphik. Was nicht fatal ist, denn Betonungen in Richtung weniger Ton­werte sind ein erprobtes Gestaltungsmittel.

Dann kam Marian Stefanowski zum Gummidruck. Druck? Ja, so heißt das Verfahren, Gummidruck, es ist natürlich kein Druckver­fahren, sondern ein fotografisch basiertes Kopierverfahren. Man stellt auf eine ganz umständliche und langwierige Art und Weise fotografische Kopien her. Man macht sich seine Kopierschicht selbst, und der Schichtträger ist eben Gummiarabikum, daher der Name. Dieses Verfahren war d a s Verfahren der kreativen Fotografen der ,Jahrhundertwende, der so genannten Kunstphoto­graphen, wo erstmalig Stil in die Fotografie zu bringen versucht wurde, wo man erstmalig versuchte, die gestalterischen Mög­lichkeiten der Fotografie in Richtung auf zeitgenössische Kunst auszuloten. Olle Kamellen also? 90 Jahre alt und warum so etwas heute noch? Warum Fotos jetzt noch in so umständlich­altertümlichen Kopierverfahren?

Wir sehen hier Portraits von Filmschaffenden, Regisseuren, Schauspielern, Kameraleuten usw. Marian Stefanowski hat mit ihnen beruflich Kontakt, als Fotograf ist er immer geneigt zu foto­grafieren. Er hat sich ein gestalterisches Konzept zurechtgelegt: Große Formate, nicht unter 40 x 50 cm, große Köpfe, d. h. kein Hintergrund, keine ganzen Köpfe, sondern eher Anschnitte, spannend angeschnitten. Oft dazu die Hand. Gesicht und Aus­druck. Die Köpfe wirken unfertig, die Pinselstriche der zahlrei­chen aufgetragenen Schichten gehen ins Nichts, stellen den Kopf frei, isolieren ihn von der Umgebung, konzentrieren unse­ren Blick auf ihn. Wer mag, sieht auch eine Werkmarke in den Pinselstrichen, man kann die Aufstriche zählen und die Farben isolieren. Wir sehen nicht ein einziges Portrait, welches mit nur einer Schicht und einer Farbe kopiert worden ist. Alle Farben die sich ergeben sind Mischfarben, aufeinander addiert als lasie­rende Schichten. Das ist völlig etwas anderes als die zahllosen Bilder wie wir sie heute als gedruckte Bilder erleben, wo wir uns die Farben durch feinstverteilte Punkte der 4 Primärfarben Rot, Blau, Gelb und Schwarz mit dem Auge selbst zusammensetzen. Hier ist die Farbe als Lasur wirklich da. Das wirkt wenn man dicht on das Bild herangeht manchmal zunächst etwas unge­wohnt, auch sind manche Farben etwas gegen die durchschnitt­lichen Sehgewohnheiten gewählt. Das sind die Eigenheiten von Marian Stefanowski, der bei Farbharmonien und Farbkontrasten immer auf der Suche ist.

 Fotografische Portraits kennt man. Man sieht hier sofort, dies sind doch, Gutgesehene Fotos, meistens Schnappschüsse, keine Ergebnisse von Sitzungen. Sie sind kompliziert aufs Papier gebracht. Gut gesehen? ja, gut gesehen. Ich lasse mal die Geschichte der Portroitfotogrofie ganz schnell bei mir Revue posieren., es fing mit dem großen Honfstoengel in München in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts an, wunderbare Portraits eines Lithographen, die noch dovorliegenden Frühphotogra­phien aus den 40er Jahren von Hill aus England. Dieser photo­graphierte mit den Augen des Malers. Photographie sollte schon damals als Medium mehr sein als nur Dokument. Dann, um ein paar große Namen fallen zu lassen, hier einige große Portraitisten: Nodor, Albert, Kühn, Dührkoop, Lendvoi-Dircksen und vor allem Hugo Erfurth, die fallen mir sofort ein, wenn man diese großen farbigen Gummidrucke von Marian Stefanowski sieht. Dann fällt mir noch Swiridoff und Korsh ein. Gehört Marian Stefanowski in eine solche Reihe allererster kreativer Photogra­phen? Er ist auf dem besten Wege, in eine solche Gesellschaft zu gehören. Die Fotografie von Marian Stefanowski ist nicht rückwärtsblickend, nostalgisch, alte vergessene \/erfahren allein um ihres besonderen Eindrucks wiederaufnehmend. Nein, dies hier ist gute Fotografie, die durch die Art des Kopierens gewinnt. Diese Bilder sind wandfähig, wer kann das überhaupt von Foto­grafien sagen? Diese Fotos sind, durch die Art ihrer Herstellung mit dem Gummidruckverfahren erst zu künstlerischen Ausdruck­strägern geworden. Man schaue sich die ruhigen Mitteltöne an, die flachen getonten Tiefen, die warmen Töne vorn - das ist künstlerische Gestaltung. Das ist kein sinnloses Experimentieren, das hier ist das Schaffen von Ausdruck mit diesem Medium Gummidruck, welches Marian Stefanowski beherrscht.

Mir gefallen die Bilder sehr. Ich hänge mir eins zu Hause hin, und ich bin ganz sicher, dass ich lange darauf schauen mag.

 Berlin, im Oktober 1994                                                                                                                                                Prof. Dr. Frank Heidtmann